Eine furchtbare Geschichte

Viele haben Tränen über das Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von H.C. Andersen vergossen. Und traurig ist sie, die Geschichte von dem armen Mädchen, das am Silvesterabend spärlich bekleidet und mit bloßen Füßen verzweifelt versucht, in den kalten Straßen der Stadt Zündhölzer zu verkaufen. Und stellen Sie sich vor: Diese Geschichte wurde unter einem Baum im Garten von Schloss Gråsten geschrieben. H.C. Andersen muss dieses Märchen sehr schnell aufs Papier gebracht haben, als er sich im November 1845 drei Wochen lang beim Herzogspaar Augustenborg auf Schloss Gråsten aufhielt. Und wir wissen, dass der Dichter nicht nur kälteempfindlich, sondern auch äußerst besorgt um seine Gesundheit war.

H.C. Andersen war ein gern gesehener Gast auf den großen Herrenhöfen bei Adeligen und Herzögen. Er war ein blendender Unterhalter am Esstisch. Vielleicht lag es genau daran, dass er einen Augenblick lang unter dem Baum saß und fror, dass ihm die Geschichte über das Mädchen einfiel, das erfror, während sie ein Zündholz nach dem anderen anzündete und von einer wärmeren und besseren Welt träumte. Nein, nicht ganz. Andersen hatte einige Zeichnungen des bekannten Malers J. Th. Lundby mit einer Einladung erhalten, sich von ihnen inspirieren zu lassen. Und die bekam er fast auf Kommando.

„Im Winkel am Hause saß am kalten Morgen ein kleines Mädchen mit roten Wangen und mit Lächeln um den Mund. Es war tot, erfroren am letzten Tage des alten Jahres. Der Morgen des neuen Jahres ging über der kleinen Leiche auf, die mit Schwefelhölzern da saß, wovon fast ein Schächtelchen verbrannt war. „Sie hat sich wärmen wollen“, sagte man. Niemand wusste, was sie Schönes gesehen hatte, und dass sie mit der alten Großmutter in den Himmel eingegangen war.

Ein trauriges, aber auch wunderschönes Märchen. Entstanden im Schlossgarten Gråsten.